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Verhinderungspflege -
Wenn eine Vertretung in der Pflege gebraucht wird

Pflegende Angehörige benötigen manchmal eine Pause von ihren Pflegeaufgaben, sei es für ein paar Stunden, um einen Behördentermin wahrzunehmen, oder für mehrere Tage oder Wochen aufgrund von Krankheit oder Urlaub. In solchen Fällen hilft die sogenannte Verhinderungspflege, durch die sich Hauptpflegepersonen vertreten lassen können.

Cura Optima erklärt, wann und unter welchen Umständen Sie diese Pflegeleistung in Anspruch nehmen können. Es wird erläutert, wie hoch die Leistungssätze je nach Pflegegrad sind und welche Besonderheiten es gibt, wenn Verwandte die Ersatzpflege übernehmen. Es ist wichtig zu wissen, dass die Verhinderungspflege nicht nur eine wertvolle Unterstützung in Notsituationen bietet, sondern auch zur Entlastung und Erholung der Hauptpflegepersonen beiträgt.

Wenn pflegende Angehörige eine Auszeit benötigen, können sie sich darauf verlassen, dass die Verhinderungspflege ihnen zur Seite steht. Dies ist besonders wichtig, um sicherzustellen, dass die Pflegebedürftigen auch dann gut versorgt sind, wenn die Hauptpflegeperson vorübergehend verhindert ist. Die Verhinderungspflege stellt sicher, dass Pflegebedürftige weiterhin die notwendige Unterstützung erhalten, während ihre pflegenden Angehörigen eine dringend benötigte Auszeit nehmen können.

Inhalte in diesem Artikel

Was ist die Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege, auch als Ersatzpflege bekannt, bietet eine zeitlich begrenzte Vertretung für die Hauptpflegeperson. Diese Leistung tritt in Kraft, wenn die pflegende Person aufgrund von Krankheit, Urlaub oder beruflichen Verpflichtungen, wie Überstunden, daran gehindert ist, ihre Pflegeaufgaben zu erfüllen.

Der Anspruch auf Verhinderungspflege ist im Elften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) unter Paragraf 39 festgelegt. Dort wird beschrieben, dass die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr übernimmt, wenn die Pflegeperson aufgrund von Erholungsurlaub, Krankheit oder anderen Gründen nicht in der Lage ist, die Pflege fortzusetzen.

Diese Regelung stellt sicher, dass Pflegebedürftige weiterhin gut versorgt sind, auch wenn die Hauptpflegeperson vorübergehend ausfällt. Die Verhinderungspflege ermöglicht es pflegenden Angehörigen, sich zu erholen oder dringende persönliche Angelegenheiten zu regeln, ohne sich Sorgen um die Betreuung ihrer Angehörigen machen zu müssen. So wird sowohl die Qualität der Pflege als auch das Wohlbefinden der pflegenden Person gewährleistet.

Arten und Gründe für die Verhinderungspflege

Sie haben die Möglichkeit, die Ersatzpflege flexibel stundenweise, tageweise oder wochenweise in Anspruch zu nehmen. Dies ermöglicht es, sowohl für kurze Termine als auch für längere Abwesenheiten eine Ersatzpflegeperson zu engagieren und die Kosten dafür bei der Pflegekasse abzurechnen.

Insgesamt können bis zu sechs Wochen, das entspricht 42 Tagen, Verhinderungspflege pro Kalenderjahr in Anspruch genommen werden. Das dafür zur Verfügung stehende Gesamtbudget beträgt 1.612 Euro jährlich.

Durch diese Regelung können pflegende Angehörige sicherstellen, dass ihre Pflegebedürftigen gut versorgt sind, selbst wenn sie selbst vorübergehend ausfallen. Dies bietet eine wichtige Entlastung und Unterstützung im Pflegealltag und trägt dazu bei, dass die Pflegequalität und das Wohlbefinden aller Beteiligten erhalten bleiben.

Verhinderungspflege Stundenweise

Wenn die Ersatzpflegeperson weniger als acht Stunden am Tag die Vertretung übernimmt, spricht man von stundenweiser Verhinderungspflege. Das Praktische daran ist, dass diese Zeiten nicht von den insgesamt möglichen 42 Tagen Verhinderungspflege im Jahr abgezogen werden. Das bedeutet, dass Sie beispielsweise einmal pro Woche für einen sechsstündigen Termin eine Vertretung organisieren und Verhinderungspflege beantragen können, ohne dass die 42 Tage dadurch verringert werden.

Es gibt viele Gründe, warum Sie stundenweise Verhinderungspflege in Anspruch nehmen könnten. Dazu gehören Arztbesuche, Elternabende oder Behördengänge. Auch berufliche Verpflichtungen wie Überstunden oder die Teilnahme an Sportkursen können Gründe sein. Zudem können Kurse zur Fort- und Weiterbildung, etwa Pflegekurse, einen Anlass darstellen. Selbst Freizeitaktivitäten wie ein Kinobesuch oder ein Abendessen bei Freunden fallen unter die möglichen Gründe für stundenweise Verhinderungspflege.

Diese flexible Regelung ermöglicht es pflegenden Angehörigen, ihren Alltag besser zu organisieren und sich auch einmal Zeit für persönliche Angelegenheiten oder Erholung zu nehmen, ohne dass die ihnen zustehenden Verhinderungspflege-Tage beeinträchtigt werden.

Verhinderungspflege Tageweise & Wochenweise

Wenn die Vertretung der Pflege länger als acht Stunden am Tag dauert, spricht man von tageweiser Verhinderungspflege. Diese wird erforderlich, wenn die Hauptpflegeperson für einen ganzen Tag oder länger verhindert ist. Die wochenweise Verhinderungspflege greift, wenn die Vertretung ab sieben Tagen oder mehr erforderlich wird.

Es gibt viele Situationen, in denen tageweise oder wochenweise Verhinderungspflege notwendig sein kann. Gründe dafür können Ruhetage sein, an denen die Pflegeperson eine Pause benötigt, oder ein längerer Erholungsurlaub, um sich von den Anforderungen der Pflege zu erholen. Auch Krankheit kann dazu führen, dass die Pflegeperson vorübergehend nicht in der Lage ist, ihre Aufgaben zu erfüllen.

Ein Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt der pflegenden Person ist ein weiterer häufiger Grund, warum eine längere Ersatzpflege organisiert werden muss. Ebenso können Dienstreisen beruflich bedingte Abwesenheiten darstellen, die eine tageweise oder wochenweise Verhinderungspflege erfordern.

Welche Dienstleistungen bietet die Verhinderungspflege?

Die Ersatzpflegeperson übernimmt sämtliche Aufgaben, die notwendig sind, um sicherzustellen, dass die pflegebedürftige Person gut versorgt ist. Dazu zählen Tätigkeiten der großen Grundpflege, wie die Unterstützung bei der Körperpflege und der Ernährung. Diese grundlegenden Aufgaben sind essenziell, um das tägliche Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person zu gewährleisten.

Darüber hinaus kann die hauswirtschaftliche Versorgung ebenfalls Teil der Verhinderungspflege sein. Dies umfasst Tätigkeiten wie das Einkaufen und Zubereiten von Mahlzeiten sowie das Aufräumen und Putzen des Haushalts. Solche Aufgaben sind wichtig, um ein angenehmes und sauberes Wohnumfeld für die pflegebedürftige Person zu schaffen.

Ersatzpflegepersonen übernehmen oft auch Betreuungsdienstleistungen. Dazu gehören Aktivitäten wie Spaziergänge, verschiedene Freizeitaktivitäten oder einfach nur Gespräche, die der sozialen Interaktion und dem emotionalen Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person dienen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die medizinische Behandlungspflege nicht Bestandteil der Verhinderungspflege ist. Die medizinische Behandlungspflege umfasst Aufgaben wie die Wundversorgung oder das Messen des Blutdrucks, welche vom Arzt verordnet und über die Krankenkasse abgerechnet werden. Diese Tätigkeiten müssen von qualifizierten Fachkräften durchgeführt werden, um die medizinische Versorgung sicherzustellen.

Insgesamt bietet die Verhinderungspflege eine umfassende Unterstützung, die sowohl die Grundpflege als auch hauswirtschaftliche und betreuende Aufgaben umfasst, und trägt somit wesentlich zur Entlastung der Hauptpflegeperson bei.

Was sind die Voraussetzungen für die Verhinderungspflege?

Bei der Verhinderungspflege sind stets drei Parteien beteiligt: die pflegebedürftige Person, die eingetragene Pflegeperson und die Ersatzpflegeperson. Jede dieser Parteien muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit die Verhinderungspflege beantragt werden kann.

Zunächst einmal muss die pflegebedürftige Person mindestens den Pflegegrad 2 haben, um die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen zu können. Bei einem Pflegegrad 1 übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die Verhinderungspflege nicht. Darüber hinaus muss die pflegebedürftige Person mindestens sechs Monate lang in häuslicher Umgebung gepflegt worden sein. Dabei ist es nicht erforderlich, dass diese Pflege ununterbrochen erfolgt ist; kurze Pausen von bis zu vier Wochen sind zulässig.

Die Hauptpflegeperson muss aktuell als Pflegeperson bei der Pflegekasse eingetragen sein. Es ist jedoch nicht notwendig, dass diese Person die pflegebedürftige Person die gesamten sechs Monate über betreut hat. Es dürfen durchaus Wechsel in der Zuständigkeit der Pflegeperson innerhalb dieses Zeitraums stattfinden.

Durch diese Regelungen wird sichergestellt, dass sowohl die pflegebedürftige Person als auch die Hauptpflegeperson die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Die Verhinderungspflege bietet somit eine flexible und zuverlässige Lösung, um die kontinuierliche Versorgung und Betreuung der pflegebedürftigen Person sicherzustellen, während die Hauptpflegeperson entlastet wird.

Wer führt die Verhinderungspflege durch?

Die Verhinderungspflege kann entweder von ambulanten Pflegediensten oder von Privatpersonen durchgeführt werden. Wenn ein Pflegedienst die Verhinderungspflege übernimmt, handelt es sich um eine professionelle Pflegekraft. Wenn hingegen Privatpersonen wie Freunde, Nachbarn oder Verwandte einspringen, gelten besondere Regelungen für die Leistungshöhe, insbesondere bei nahen Verwandten.

Es ist möglich, dass bei der Pflegekasse mehrere Pflegepersonen eingetragen sind. Diese Pflegepersonen können sich im Rahmen der Verhinderungspflege gegenseitig vertreten. In solchen Fällen können jedoch nur die Mehraufwendungen, wie Fahrtkosten und Verdienstausfall, abgerechnet werden.

Die Verhinderungspflege kann auch vorübergehend in einem Pflegeheim stattfinden. In diesem Fall werden allerdings nur die Pflegekosten übernommen; die Kosten für Unterkunft und Verpflegung müssen selbst getragen werden.

Durch diese flexiblen Regelungen wird sichergestellt, dass pflegebedürftige Personen auch dann gut versorgt sind, wenn die Hauptpflegeperson verhindert ist. Gleichzeitig werden die pflegenden Angehörigen entlastet und haben die Möglichkeit, sich zu erholen oder dringende Angelegenheiten zu erledigen.


Wie wird die Verhinderungspflege beantragt?

Die Verhinderungspflege wird von der pflegebedürftigen Person bei der Pflegekasse beantragt. Es ist wichtig zu wissen, dass eine rückwirkende Beantragung bis zu vier Jahre lang möglich ist. Das bedeutet, dass auch vergangene Pflegezeiten noch abgedeckt werden können, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.

Um ausführliche Informationen über den Antrag auf Verhinderungspflege zu erhalten, können Sie den Ratgeber „Antrag auf Verhinderungspflege“ konsultieren. Dieser Ratgeber bietet detaillierte Anleitungen und hilfreiche Tipps, um den Prozess der Antragstellung so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Durch diese Regelung wird sichergestellt, dass pflegebedürftige Personen und ihre Angehörigen die notwendige Unterstützung erhalten, auch wenn sie die Verhinderungspflege erst nachträglich beantragen möchten. Dies bietet zusätzliche Flexibilität und Sicherheit für alle Beteiligten.

Verhinderungspflege: Kosten und Finanzierung

Das Geld für die Verhinderungspflege wird direkt an die pflegebedürftige Person überwiesen. Mit diesem Geld kann sie alle nachgewiesenen Ausgaben decken, die im Rahmen der Verhinderungspflege anfallen. Wenn ambulante Pflegedienste die Verhinderungspflege übernehmen, können sie die Kosten direkt mit der Pflegekasse abrechnen, was den Prozess für die pflegebedürftige Person erleichtert.

Stundenlohn der Ersatzpflegekraft

Der Stundenlohn für Ersatzpflegekräfte kann von der pflegebedürftigen Person selbst festgelegt werden. Die Beträge können zwischen fünf und 25 Euro pro Stunde variieren. Es ist wichtig zu beachten, dass ambulante Pflegedienste in der Regel höhere Stundensätze für ihre Leistungen berechnen.

Höhe der Leistungen

Die Pflegekasse zahlt pro Jahr bis zu 1.612 Euro für Pflegekosten im Rahmen der Verhinderungspflege. Diese Summe gilt jedoch nur, wenn die Ersatzpflegeperson nicht mit der pflegebedürftigen Person verwandt oder verschwägert ist oder mit ihr zusammenlebt.

Der Betrag für die Verhinderungspflege kann erhöht werden, wenn das Budget für die Kurzzeitpflege nicht vollständig ausgeschöpft wird. Bis zu 806 Euro aus dem Budget der Kurzzeitpflege können für die Verhinderungspflege genutzt werden. Um diese zusätzliche Summe zu beantragen, müssen Sie ein Formular mit dem Titel „Antrag auf Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege“ bei der Pflegekasse einreichen.

Pflege durch Angehörige oder Mitbewohner

Wenn nahe Verwandte oder Personen, die im selben Haushalt leben, die Ersatzpflege übernehmen, zahlt die Pflegekasse statt der 1.612 Euro nur maximal den 1,5-fachen Satz des Pflegegeldes. Das Pflegegeld variiert je nach Pflegegrad, sodass der genaue Betrag ansteigt, je höher der Pflegegrad ist.

Das Verwandtschaftsverhältnis wird ausgehend von der pflegebedürftigen Person bestimmt, nicht von der pflegenden Person, die vertreten wird. Zu den nahen Verwandten gehören Angehörige bis zum zweiten Grad, wie Eltern, Kinder, Geschwister, Großeltern und Enkelkinder. Entfernte Verwandte sind Angehörige ab dem dritten Grad, wie Tanten, Onkel, Nichten, Neffen, Cousins und Cousinen.

Zusätzlich können nahe Verwandte und Personen, die im selben Haushalt leben, die Fahrtkosten erstattet bekommen. Jeder gefahrene Kilometer wird mit 20 Cent angerechnet. Für die Abrechnung sollten Sie die entsprechenden Fahrscheine oder Tankquittungen aufbewahren.

Nahe Angehörige können sich auch den Verdienstausfall für die Tage erstatten lassen, an denen sie pflegen und deshalb nicht arbeiten können. Diese Kosten werden auf das „Verhinderungspflegegeld“ angerechnet, wobei die Gesamtsumme von 1.612 Euro nicht überschritten werden darf.

Rückwirkende Kosten abrechnen

Bereits angefallene Kosten aus den vergangenen Jahren können bis zu vier Jahre rückwirkend abgerechnet werden. Voraussetzung dafür ist, dass zu der damaligen Zeit bereits ein Anspruch auf Verhinderungspflege bestanden hat und das Budget des betreffenden Jahres noch nicht ausgeschöpft ist.

Beim Thema Steuern gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten. Das Geld, das Sie als Ersatzpflegeperson für die Verhinderungspflege erhalten, muss immer in der Steuererklärung angegeben werden, da es als Einkommen gilt. Allerdings muss dieses Einkommen nicht in jedem Fall versteuert werden:

Die Einnahmen sind steuerfrei, wenn die Verhinderungspflege von Angehörigen durchgeführt wird. Ebenso sind die Einnahmen steuerfrei, wenn die Ersatzpflegeperson die Pflege aufgrund einer sittlichen Pflicht übernimmt. Der Begriff „sittliche Pflicht“ bedeutet, dass die Pflege nicht aus Erwerbsabsicht, sondern aus moralischen Gründen, wie Nächstenliebe, Überzeugung oder Pflichtbewusstsein, übernommen wird.

In beiden Fällen bleibt die Verhinderungspflege nur dann steuerfrei, solange die Ersatzpflegeperson nicht mehr erhält, als der pflegebedürftigen Person an Pflegegeld zusteht. Bei Pflegegrad 1 muss der Betrag unter der Höhe des Entlastungsbetrags liegen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie einen Antrag auf Verhinderungspflege nicht im Voraus stellen müssen. Dies bedeutet, dass Sie die Verhinderungspflege auch spontan, beispielsweise im Krankheitsfall, nutzen können und den Antrag erst im Nachhinein einreichen.

Diese flexiblen Regelungen erleichtern es pflegenden Angehörigen, Unterstützung zu erhalten und gleichzeitig steuerliche Vorteile zu nutzen. Sie stellen sicher, dass sowohl die finanzielle Entlastung als auch die organisatorische Abwicklung möglichst unkompliziert gestaltet sind.

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