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Aktivierende Pflege -
Selbstständigkeit im Alltag beibehalten

Anstatt pflegebedürftigen Menschen Tätigkeiten abzunehmen, ermutigt die aktivierende Pflege sie, möglichst viel selbst zu tun. Diese Art der Pflege hat zum Ziel, sowohl die körperlichen als auch die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen zu fördern und damit länger zu erhalten. Dies ermöglicht eine längere und bessere soziale Teilhabe.

Cura Optima bietet Ihnen einen umfassenden Einblick in die Ziele der aktivierenden Pflege und zeigt praxisnahe Methoden, wie Sie diese in Ihren Pflegealltag integrieren können. Die aktivierende Pflege geht über das bloße Unterstützen hinaus – sie setzt auf die aktive Einbindung der pflegebedürftigen Menschen, um ihre Selbstständigkeit zu stärken und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Indem Sie aktivierende Pflege in Ihrem Alltag umsetzen, tragen Sie dazu bei, dass die Fähigkeiten Ihrer Pflegebedürftigen erhalten bleiben und sogar gestärkt werden. Dies führt nicht nur zu einer besseren körperlichen Gesundheit, sondern auch zu einer gesteigerten geistigen Aktivität und einem insgesamt erfüllteren Leben. Die langfristigen Vorteile dieser Pflegemethode sind vielfältig: Sie fördert die Selbstwirksamkeit und trägt dazu bei, dass die pflegebedürftigen Menschen länger am sozialen Leben teilnehmen können.

Inhalte in diesem Artikel

Was ist die aktivierende Pflege?

Die aktivierende Pflege ist eine besondere Form der Betreuung, die den Betroffenen zahlreiche Handlungs- und Teilhabemöglichkeiten eröffnet. Ziel ist es, sämtliche Ressourcen ihrer körperlichen, geistigen und sozialen Fähigkeiten zu nutzen und zu fördern. Diese Pflegeform ist daher stets individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der einzelnen Person abgestimmt. Langfristig strebt die aktivierende Pflege die größtmögliche Selbstständigkeit der Betroffenen an.

Im Gesetz verankert: Wussten Sie, dass die aktivierende Pflege als Pflegestandard von der Bundesregierung im Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) mehrfach gesetzlich festgeschrieben wurde? Beispielsweise:

  • 2 SGB XI zur Selbstbestimmung legt fest, dass „die Leistungen der Pflegeversicherung den Pflegebedürftigen helfen sollen, trotz ihres Hilfebedarfs ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Hilfen sind darauf auszurichten, die körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte der Pflegebedürftigen wiederzugewinnen oder zu erhalten.“
  • 11 SGB XI definiert die Rechte und Pflichten der Pflegeeinrichtungen und betont, dass „eine humane und aktivierende Pflege unter Achtung der Menschenwürde zu gewährleisten“ ist.

Diese gesetzlichen Vorgaben unterstreichen die Bedeutung der aktivierenden Pflege und unterstützen Pflegekräfte darin, die Selbstständigkeit und das Wohlbefinden der Pflegebedürftigen bestmöglich zu fördern.

Geriatrie und aktivierend-therapeutische Pflege

Die aktivierende Pflege richtet sich in erster Linie an geriatrische Patienten, weshalb sie oft auch als „aktivierende Altenpflege“ bezeichnet wird. Diese Patienten sind in der Regel von alterstypischen Mehrfacherkrankungen, auch Multimorbidität genannt, betroffen.

In der aktivierenden Altenpflege sind die Maßnahmen stets individuell auf den Pflegebedürftigen abgestimmt, wobei seine persönlichen Fähigkeiten und Einschränkungen im Vordergrund stehen. Auch Risikofaktoren, wie zum Beispiel eine erhöhte Sturzgefahr, werden bei der Erstellung des Pflegeplans sorgfältig berücksichtigt.

Aktivierend-therapeutische Maßnahmen sind darauf ausgelegt, die Selbstständigkeit der Patienten zu fördern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Jeder Pflegeplan wird so gestaltet, dass er die speziellen Bedürfnisse und gesundheitlichen Herausforderungen der einzelnen Person berücksichtigt, wodurch eine maßgeschneiderte Betreuung gewährleistet wird.

Aktivierende Pflege in der Altenpflege

In Pflegeheimen ist die aktivierende Pflege oft schwer umzusetzen. Gründe dafür sind beispielsweise Zeitmangel oder der regelmäßige Schichtwechsel des Pflegepersonals. In der häuslichen Pflege hingegen haben Sie die Möglichkeit, entsprechende Maßnahmen freier und individueller zu planen. Es ist jedoch wichtig, dass Sie dabei sowohl sich selbst als auch Ihren pflegebedürftigen Angehörigen nicht überfordern.

Ein wertvoller Tipp für den Einstieg in die aktivierende Pflege zu Hause ist die Teilnahme an einem Pflegekurs mit entsprechendem Schwerpunkt. Diese Kurse bieten eine hervorragende Grundlage, um die Prinzipien der aktivierenden Pflege zu erlernen und in den Alltag zu integrieren. Die Kosten für solche Kurse werden in der Regel von der Pflegekasse übernommen. Ihre Krankenkasse kann Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Kursangebot behilflich sein und Ihnen die notwendigen Informationen zur Verfügung stellen.

Durch den Besuch eines Pflegekurses erhalten Sie nicht nur wertvolle Kenntnisse und praktische Tipps, sondern auch das Selbstvertrauen, die Pflege Ihres Angehörigen bestmöglich zu gestalten. Dies trägt dazu bei, die Selbstständigkeit und Lebensqualität des Pflegebedürftigen zu fördern und zu erhalten.

Demenz und aktivierende Pflege

Auch und gerade Menschen mit Demenz profitieren von einer aktivierenden Pflege. Hierbei ist die Einhaltung einer festgelegten Tagesstruktur von großer Bedeutung. Das bedeutet, dass Sie die pflegerischen Maßnahmen Tag für Tag möglichst im gleichen zeitlichen Abstand und zur gleichen Uhrzeit durchführen sollten.

Diese feste Struktur hilft dem Demenzkranken nach einer Weile, ein besseres Zeitgefühl zu entwickeln, was ihm wiederum mehr Kontrolle über seinen Tagesablauf gibt. Ein gutes Beispiel für aktivierende Pflege bei Demenz ist die 10-Minuten-Aktivierung, die speziell darauf abzielt, die geistigen Fähigkeiten des Patienten zu fördern. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Ratgeber „Gedächtnistraining bei Demenz“.

Durch die konsequente Anwendung einer festen Tagesstruktur und gezielten Aktivierungen können Menschen mit Demenz ihre Fähigkeiten besser nutzen und erhalten. Dies führt zu einer spürbaren Verbesserung ihrer Lebensqualität und unterstützt ihre Selbstständigkeit im Alltag.

Aktivierende Pflege:
Ziele und Beispiele

Wie bereits erwähnt, ist das übergeordnete Ziel der aktivierenden Pflege, eine hohe Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Personen zu erreichen. Schauen wir uns einmal mögliche Einzelziele und Beispiele für Maßnahmen der aktivierenden Pflege in den folgenden Bereichen an:

1. Körperpflege

Eine pflegebedürftige Person kann, beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls, die Reihenfolge der Schritte bei der Körperpflege verlernt haben. Ein erstes Ziel könnte daher sein, diese Reihenfolge wieder zu erlernen, damit Ihr pflegebedürftiger Angehöriger weiß, was wann genau „auf ihn zukommt“. Dies fördert nicht nur die Orientierung, sondern auch das Vertrauen in den Pflegeprozess. Langfristig soll der Betroffene einen möglichst großen Teil der Körperpflege selbst übernehmen. Auf dem Weg dahin können Sie als pflegende Person etwa zu Beginn die Hand Ihres Angehörigen führen, statt ihn selbst zu waschen, und so die Bewegungsmuster einstudieren. Dies stärkt die motorischen Fähigkeiten und fördert das Selbstbewusstsein.

2. Ernährung

Ziele in der Ernährung sind neben dem selbstständigen Schlucken auch das Wiedererlernen des Umgangs mit Besteck. Der zu pflegende Angehörige soll so gut wie möglich allein essen und trinken können. Hier ist es sinnvoll, die einzelnen Handlungen immer wieder zu demonstrieren und die Bewegungsabläufe gemeinsam zu trainieren. Essrituale einzuüben und Hilfsmittel wie Teller mit erhöhtem Rand bereitzustellen, können ebenfalls hilfreich sein. Falls Essen anfangs noch daneben geht oder Hände statt Besteck genutzt werden, ist das in Ordnung – im Vordergrund steht die eigenständige Nahrungsaufnahme. Zusätzlich können spezielle Ernährungstrainingseinheiten eingebaut werden, um die Koordination und Feinmotorik zu verbessern.

3. Ausscheidung

Im Bereich der Ausscheidung sind Ziele beispielsweise der selbstständige Umgang mit Hilfsmitteln und das Erkennen, wann die Blase voll ist. Ein wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit ist es, die Kontinenz wiederzuerlangen. Maßnahmen können Orientierungshilfen sein, die der betroffenen Person helfen, die Toilette zu finden. Auch die Intimhygiene bei jedem Toilettengang kann geübt werden. Ein Wecker kann beim Blasentraining helfen, indem er an den regelmäßigen Toilettengang erinnert. Zusätzlich kann ein Tagebuch über Toilettengänge geführt werden, um Muster zu erkennen und die Selbstkontrolle zu fördern.

4. Bewegung

Im Bereich der Mobilität soll die pflegebedürftige Person möglichst sicher sitzen und gehen können. Dafür sollten Sie, wann immer es geht, ihr Gleichgewicht und ihre Symmetrie fördern. Kleinere Einzelziele könnten sein, die Gehstrecke Stück für Stück zu verlängern. Maßnahmen umfassen neben der regelmäßigen Mobilisation auch Gehtraining, je nach Bedarf mit geeigneten Gehhilfen. Fordern Sie Ihren Angehörigen außerdem soweit möglich auf, beim Transfer, Heben oder Tragen mitzuhelfen. Seniorengymnastik oder bewegungsorientierte Gruppenaktivitäten können ebenfalls sinnvoll sein. Auch das Training mit Balance- und Koordinationsgeräten kann die Mobilität verbessern.

5. Kommunikation

Ziele im Bereich der Kommunikation sind unter anderem die Steigerung des Selbstwertgefühls, die Verbesserung der Wahrnehmung und des Gedächtnisses. Maßnahmen im Sinne der aktivierenden Pflege können Kommunikationstafeln sowie Krisenbewältigungsgespräche und problemlösungsorientierte Gespräche sein. Regelmäßige Übungen zur Wortfindung und Satzbildung sowie die Nutzung von digitalen Kommunikationshilfen können ebenfalls unterstützen. Auch gemeinsames Lesen und Erzählen von Geschichten kann die Sprachfähigkeit und das Gedächtnis fördern.

Diese Maßnahmen tragen insgesamt dazu bei, dass die pflegebedürftige Person ihre Selbstständigkeit wiedererlangt und ihre Lebensqualität verbessert. Sie stellen sicher, dass die Pflege nicht nur auf die körperlichen Bedürfnisse eingeht, sondern auch die psychische und emotionale Gesundheit berücksichtigt.

Selbstständigkeit und der Pflegegrad

Bei der Begutachtung zur Pflegebedürftigkeit steht der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen im Zentrum. Die Gutachter fragen: Was kann die Person und wofür braucht sie Unterstützung? Neben Bereichen wie Körperpflege, Ernährung und Mobilität werden auch die kommunikativen Fähigkeiten sowie die Gestaltung der sozialen Kontakte erfasst.

Durch die konsequente Anwendung dieser Maßnahmen kann die aktivierende Pflege die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Pflegebedürftigen erheblich verbessern.

Pflegemodelle: Ursprung der aktivierenden Pflege

Es gibt verschiedene Pflegemodelle, die der aktivierenden Pflege zugrunde liegen. Im Folgenden werden die Modelle von Erwin Böhm, Dr. Monika Krohwinkel sowie Berta und Karel Bobath kurz vorgestellt.

Psychobiografisches Pflegemodell nach Böhm

Eine wichtige Grundlage in der aktivierenden Pflege von Menschen mit Demenz bietet das psychobiografische Pflegemodell nach Erwin Böhm. Hierbei wird der Zugang zu Menschen mit Demenz über ihre persönliche Biografie gesucht. Als pflegende Person sollten Sie die Lebensgeschichte und prägende Ereignisse des Pflegebedürftigen im Hinterkopf behalten, um Verhaltensauffälligkeiten besser zu verstehen. Dokumentieren Sie, was Ihr Angehöriger aus seiner Vergangenheit erzählt – es geht dabei nicht um Daten, sondern um Geschichten, die seine Kindheit geprägt haben. Das Vertrauen eines Pflegebedürftigen kann zusätzlich gestärkt werden, wenn die Pflegenden oder Besucher aus derselben sozialen Schicht oder dem Heimatort stammen.

Fördernde Prozesspflege nach Krohwinkel (AEDL-Konzept)

Das Ziel der fördernden Prozesspflege nach Dr. Monika Krohwinkel ist ebenfalls, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich selbstbestimmt leben können. Dabei stehen die Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des Lebens (AEDL) im Mittelpunkt. Neben den grundlegenden Tätigkeiten des täglichen Lebens wie Bewegen, Kleiden oder Ausscheiden, beziehen Sie als pflegende Person auch Prozesse wie „Beziehungen eingehen“ oder „mit belastenden Erfahrungen umgehen“ in die Pflegeziele ein. Sie betrachten den Pflegebedürftigen also ganzheitlich. Nach Krohwinkel beeinflussen und stärken sich alle Lebensbereiche gegenseitig. Die versorgende Pflege soll dementsprechend ergänzt werden – zum Beispiel, indem Sie die Interessen und früheren Hobbys der zu pflegenden Person intensiv fördern oder sie ermuntern, den Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld aufrechtzuerhalten.

Pflegemodell nach Bobath

Auch die Grundsätze, Methoden und Techniken des Bobath-Prinzips spielen eine wichtige Rolle in der aktivierenden Pflege. Im Mittelpunkt dieses Modells steht ein ganzheitliches, aktivierendes Pflegekonzept. Durch immer wiederkehrende Bewegungsmuster trainiert der Betroffene bestimmte Hirnbereiche, um verlorengegangene Funktionen wiederzuerlangen. Dieses Prinzip basiert darauf, dass das Gehirn durch gezielte Übungen in der Lage ist, neue Verbindungen zu schaffen und so Fähigkeiten zurückzugewinnen, die durch Krankheit oder Verletzung verloren gegangen sind.

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