Dekubitus, oft als Druckgeschwür oder Wundliegen bezeichnet, ist eine ernste Komplikation, bei der Haut und darunterliegendes Gewebe durch anhaltenden Druck stark geschädigt werden. Cura Optima stellt umfangreiche Informationen zur Verfügung, um Betroffenen und Pflegenden wertvolle Einblicke und praxisnahes Wissen für die Prävention und Behandlung von Dekubitus zu bieten.
Was genau ist Dekubitus?
Der Begriff Dekubitus beschreibt eine Druckstelle, die entsteht, wenn über längere Zeit Druck auf eine bestimmte Hautpartie ausgeübt wird. Ohne angemessene Behandlung kann diese Druckstelle zu einer offenen Wunde fortschreiten. Besonders gefährdet sind Stellen am Körper, an denen Knochen nahe an der Hautoberfläche liegen und wenig durch Fett oder Muskeln gepolstert sind.
Risikofaktoren und häufige Entstehungsorte
Menschen, die in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt sind oder dauerhaft bettlägerig sein müssen, haben ein erhöhtes Risiko, einen Dekubitus zu entwickeln. Die häufigsten Stellen, an denen Dekubitus entsteht, sind in Rückenlage das Kreuzbein und das Gesäß, sowie die Fersen. Bei Personen mit einer Querschnittslähmung sind oft das Sitzbein und das Kreuzbein besonders betroffen.
Vorbeugende Maßnahmen gegen Dekubitus
Zu den effektivsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Dekubitus zählen regelmäßige Umpositionierungen der betroffenen Person, der Einsatz spezieller Unterlagen oder Matratzen, die Druckstellen verhindern, sowie eine sorgfältige Hautpflege, um die Haut gesund und widerstandsfähig zu halten.
Die Behandlung von Dekubitus
Sollte sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Dekubitus entwickeln, erfordert dieser eine umfassende und fachgerechte Behandlung. Diese kann je nach Schweregrad des Dekubitus unterschiedlich komplex sein und reicht von der regelmäßigen Reinigung und Desinfektion der Wunde bis hin zu fortgeschrittenen Wundheilungstherapien.
Wie sehen die Symptome von Dekubitus aus?
Die Anzeichen eines Dekubitus umfassen:
– Schmerzen an der betroffenen Stelle, oft das erste Anzeichen, das Betroffene bemerken.
– Verfärbungen der Haut, die rot oder violett erscheinen können, je nach Hautfarbe und Schweregrad des Dekubitus.
– Veränderte Hauttextur, wobei die Haut an der betroffenen Stelle dünner und weicher als die umgebende Haut sein kann.
– Hautdefekte, die von kleineren Einrissen bis hin zu großen, offenen und tiefen Wunden reichen können.
Entstehungsfaktoren von Dekubitus
Druckbelastung
Dekubitus kann durch verschiedene Arten von Druck verursacht werden. Externer Druck kann durch alltägliche Gegenstände wie Bettlaken, Kleidungsstücke oder medizinische Hilfsmittel entstehen. Dieser Druck, wenn er auf die Haut ausgeübt wird, kann den Blutfluss zu bestimmten Bereichen unterbrechen und dadurch die Haut und das darunterliegende Gewebe schädigen.
Dauer und Intensität der Druckeinwirkung
Sowohl kurzfristige, starke Druckeinwirkungen als auch lang anhaltende, milde Druckbelastungen können zu Dekubitus führen. Kurzfristige starke Druckeinwirkungen können sofortige Schädigungen des Gewebes verursachen, während lang anhaltender, milder Druck die Haut langsam schädigt, oft ohne sofortige Symptome zu zeigen. In beiden Fällen ist das Risiko einer Hautschädigung signifikant, besonders bei empfindlichen Hautpartien.
Disposition und Risikofaktoren
Es gibt vorbestehende Bedingungen, die das Risiko für die Entwicklung eines Dekubitus erhöhen. Personen mit eingeschränkter Mobilität, die eventuell lange Zeit in einer Position verharren müssen, oder solche mit neurologischen Erkrankungen, die die Wahrnehmung von Schmerz oder Druck beeinträchtigen, sind besonders gefährdet. Ebenfalls tragen schlechte Ernährung und Feuchtigkeit auf der Haut dazu bei, dass sich leichter Druckgeschwüre bilden.
Zusätzliche Risikofaktoren wie Reibung und Scherkräfte
Reibung durch Textilien oder Infusionsleitungen und Scherkräfte, die durch Bewegungen entstehen, können ebenfalls die Integrität der Haut beeinträchtigen. Diese Kräfte beeinträchtigen die Blutzufuhr zum Gewebe, was zu einer Minderdurchblutung führt und schließlich in Gewebetod oder Nekrose münden kann.
In Fällen, in denen ein hohes Risiko für Dekubitus besteht oder bereits ein Dekubitus vorliegt, kann eine intensive 24-Stunden-Pflege notwendig sein, um eine angemessene Behandlung und regelmäßige Überwachung sicherzustellen. Cura Optima unterstützt Pflegebedürftige und ihre Pflegeteams mit spezialisiertem Wissen und Ressourcen, um die bestmögliche Pflege und Prävention zu gewährleisten und so die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Dekubitus-gefährdete Personengruppen
Ein erhöhtes Risiko für Dekubitus besteht generell bei Personen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung viel Zeit im Liegen oder Sitzen verbringen, wie bettlägerige Patienten oder Rollstuhlnutzer. Zusätzlich sind extrem unter- oder übergewichtige Menschen sowie Neugeborene und Kinder, deren Haut besonders empfindlich ist, stark gefährdet.
Intrinsische und extrinsische Risikofaktoren
Die Risikofaktoren für Dekubitus lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: intrinsische (innere) und extrinsische (äußere).
Intrinsische Faktoren
beziehen sich auf den physischen und psychischen Zustand des Einzelnen. Dazu gehören:
Bewegungseinschränkungen, wie sie bei Bettlägerigkeit oder Querschnittslähmung auftreten
Bestehende Erkrankungen wie Arthrose, rheumatoide Arthritis, Diabetes, oder Herzinsuffizienz
Sensibilitätsstörungen, die möglicherweise nach einem Schlaganfall auftreten
Infektionen und Hautschäden, die durch Inkontinenz oder schlechte Hautpflege verursacht werden
- Ernährungsdefizite und Flüssigkeitsmangel
Extrinsische Faktoren
sind durch die Umgebung bedingt und umfassen:
Unsachgemäße Positionierung oder Lagerung, die zu Scherkräften und Druck führt
Reibung durch Kleidung, Bettwäsche, Katheter, Sonden oder andere medizinische Geräte
Der Einsatz von Medikamenten, die die Hautempfindlichkeit beeinflussen können
Druck durch zu harte Liegeflächen
Primäre und sekundäre Risikofaktoren
Zusätzlich wird zwischen primären und sekundären Risikofaktoren unterschieden:
Primäre Risikofaktoren
Primäre Risikofaktoren betreffen die Mobilität der betroffenen Person. Eine eingeschränkte Mobilität, verursacht durch Bedingungen wie Narkose oder Lähmungen, ist oft ein direkter Auslöser für die Entwicklung eines Dekubitus.
Sekundäre Risikofaktoren
Sekundäre Risikofaktoren beziehen sich auf die Zustände, die die Hautintegrität und -funktion beeinträchtigen, wie Rauchen oder bestimmte Hauterkrankungen, die den Widerstand der Haut gegenüber Druck herabsetzen.
Risikobereiche für Dekubitus: Kritische Körperregionen
Bei fortwährendem Liegen oder Sitzen gibt es spezifische Körperstellen, die besonders anfällig für die Entwicklung von Dekubitus, auch bekannt als Druckgeschwüre, sind. Diese Stellen werden als Prädilektionsstellen bezeichnet, weil sie aufgrund ihrer Exposition gegenüber anhaltendem Druck eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Entstehung dieser Erkrankung aufweisen. Cura Optima bietet eine detaillierte Übersicht über die gefährdeten Körperbereiche, abhängig von der Körperposition, um das Bewusstsein für die Prävention von Dekubitus zu schärfen.
Im Liegen (Rückenlage)
Hinterkopf (Hinterhauptsbein)
Schulterblätter
Wirbelsäulendornfortsätze
Steißbein, Kreuzbein, und der Bereich um die Sitzbeine
Fersen
Beim Sitzen
Hinterkopf
Schulterblätter
Wirbelsäulendornfortsätze
Ellenbogen
Sitzbeinhöcker
Fersen
In Bauchlage
Stirn
Jochbeine
Schultergelenke
Brustbereich einschließlich des Brustbeins
Ellenbogen
Darmbeinstachel
Kniescheiben
Fußspitzen
In Seitenlage
(90-Grad-Lage)
Jochbein
Ohr
Schultergelenk
Rippen
Ellenbogen
Großer Rollhügel am Hüftgelenk
Kniegelenke
Wadenbein
Seitliche Knöchel
Bewertung des Dekubitus-Risikos: Einsatz der Braden-Skala
Die Braden-Skala, entwickelt 1987 von den amerikanischen Pflegewissenschaftlerinnen Barbara J. Braden und Nancy Bergstrom, ist ein etabliertes Instrument, um das Risiko für Dekubitus professionell zu bewerten. Cura Optima erklärt, wie diese Skala zur Einschätzung des individuellen Risikos eines Patienten für Dekubitus eingesetzt wird. Es handelt sich um ein Bewertungssystem, das auf verschiedenen kritischen Faktoren basiert, die das Dekubitusrisiko beeinflussen.
Die sechs Faktoren der Braden-Skala umfassen

Sensorisches Empfindungsvermögen
Die Fähigkeit des Patienten, Schmerz oder Druck zu spüren.

Hautfeuchtigkeit
Die Feuchtigkeit der Haut, die die Anfälligkeit für Hautschäden erhöht.

Körperliche Aktivität
Das Ausmaß der physischen Aktivität des Patienten.

Mobilität
Die Fähigkeit, die Körperposition eigenständig zu verändern.

Ernährungsverhalten
Der Ernährungszustand und die Ernährungsgewohnheiten des Patienten.

Reibungs- und Scherkräfte
Das Ausmaß der Kräfte, die auf die Haut wirken und sie potenziell schädigen können.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Anwendung der Braden-Skala sowie anderer Risikobewertungsskalen wie die Norton- oder Waterlow-Skala spezifisches Fachwissen erfordert. Diese Instrumente sind entscheidend für die präzise Risikobeurteilung und effektive Verlaufskontrolle in der Pflege von Patienten, die ein hohes Risiko für Dekubitus haben. Eine korrekte Bewertung setzt voraus, dass jeder Patient individuell und ganzheitlich betrachtet wird.
Fingertest bei Dekubitus
Ein weiteres einfaches, aber effektives Werkzeug zur Früherkennung von Dekubitus ist der Fingertest, der auch als Drucktest bekannt ist. Dieser Test hilft dabei, den Zustand der Haut zu beurteilen:
Wenn die Rötung nach Druckeinwirkung verblasst und weiß wird
Dekubitus liegt nicht vor.
Wenn nach dem Heben des Fingers ein weißer Fleck auf der Rötung für kurze Zeit verbleibt
Es liegt kein Dekubitus vor, jedoch besteht ein Risiko.
Wenn die Rötung bestehen bleibt und nicht wegdrückbar ist
Ein Dekubitus liegt vor.
Die korrekte Anwendung des Fingertests kann dazu beitragen, frühzeitig auf Anzeichen von Dekubitus zu reagieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Erkennung von Dekubitus und Diagnose
Frühe Anzeichen eines Dekubitus können anhaltende Schmerzen und Hautrötungen an bestimmten Körperstellen sein. Diese Symptome sollten umgehend von einem Mediziner beurteilt werden. Für eine erste Einschätzung sind der Hausarzt oder ein Dermatologe die geeigneten Ansprechpartner.
Diagnoseprozess
1. Anamnese:
Im Rahmen eines Arztgesprächs werden die Krankengeschichte und relevante Informationen wie der allgemeine Gesundheitszustand, vorliegende Grunderkrankungen, Ernährungszustand und aktuelle Medikation erfasst.
2. Körperliche Untersuchung:
Der Arzt untersucht die Haut und speziell die risikobehafteten Körperstellen, um Ort, Größe und die spezifischen Merkmale des möglichen Dekubitus zu bestimmen.
3. Einteilung und Kategorisierung:
Bestätigt sich der Verdacht auf einen Dekubitus, wird dieser entsprechend in eine der vier Dekubitus-Kategorien eingeordnet, welche die Schwere der Erkrankung festlegen.
Weitere Untersuchungen
Bei fortgeschrittenem Dekubitus können zusätzliche diagnostische Maßnahmen erforderlich sein:
4. Abstrich:
Zur genauen Bestimmung der beteiligten Bakterien, wenn eine eitrige Infektion vorliegt.
- Bluttests: Zur weiteren Untersuchung des allgemeinen Gesundheitszustands.
5. Röntgenaufnahmen:
Diese können notwendig sein, um zu überprüfen, ob der Dekubitus bereits tieferliegende Strukturen wie Knochen betroffen hat.
Kategorien von Dekubitus
Bis 2014 wurde Dekubitus in vier Grade eingeteilt. Diese Kategorisierung wurde in der professionellen Pflege durch vier neue Dekubitus-Kategorien ersetzt, die vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) eingeführt wurden. Trotz dieser Änderung werden die traditionellen Bezeichnungen häufig noch verwendet.
Die Behandlung von Dekubitus ist komplex und sollte von qualifizierten Gesundheitsfachkräften durchgeführt werden. Die Therapie variiert je nach individuellen Bedingungen des Patienten, einschließlich der Ursache des Dekubitus, seiner Klassifizierung und dem spezifischen Zustand des Patienten. Cura Optima bietet umfassende Einblicke in effektive Behandlungsansätze und -strategien.
Kernaspekte der Dekubitusbehandlung
Druckentlastung und Druckverteilung
Eine sofortige Druckentlastung ist entscheidend, um die Durchblutung zu fördern und den Heilungsprozess der geschädigten Zellen zu unterstützen.
Zu den Schlüsselstrategien gehört die sorgfältige Positionierung des Patienten, um Druck auf gefährdete Bereiche zu minimieren.
Die Auswahl geeigneter Lagerungs- und Positionierungshilfen, die speziell auf die betroffene Körperstelle abgestimmt sind.
Die Planung eines Zeitplans für regelmäßige Umlagerungen, um langanhaltenden Druck zu vermeiden und die Mobilität zu fördern.
Infektionsschutz
Da ein Dekubitus oft mit einer Schwächung des Immunsystems einhergeht, ist jeder Dekubitus eine potenzielle Eintrittspforte für Infektionserreger.
Besonders in fortgeschrittenen Stadien des Dekubitus steigt das Risiko einer Infektion. Anzeichen dafür können Eiter, Rötung oder ein unangenehmer Geruch an der Wundstelle sein.
Ein umfassender Infektionsschutz, einschließlich der sorgfältigen Reinigung und Desinfektion der Wunde, ist essenziell, um den Gesundheitszustand des Patienten nicht weiter zu gefährden.
Einteilung und Kategorisierung von Dekubitus
Dekubitus wird nach der Schwere der Erkrankung in verschiedene Kategorien eingeteilt. Diese Einteilung hilft Fachkräften, die geeigneten Behandlungsmaßnahmen festzulegen und den Fortschritt der Heilung zu überwachen.
Die Behandlung von Dekubitus
Die Behandlung von Dekubitus ist ein anspruchsvoller Prozess, der aufgrund der schwierigen Heilungsbedingungen der Dekubitalgeschwüre fachkundiges medizinisches Wissen erfordert. Cura Optima erklärt die verschiedenen Schritte, die für eine effektive Wundversorgung bei Dekubitus erforderlich sind.
Die Behandlung von Dekubitus
Débridement und Wundreinigung
Zu Beginn jeder Wundbehandlung steht die Entfernung von abgestorbenem Gewebe, bekannt als Débridement, sowie die sorgfältige Reinigung der Wunde und ihrer Umgebung. Dies ist entscheidend, um ein sauberes Wundmilieu zu schaffen, das die Heilung fördert.
Infektionskontrolle
Die Prävention und Bekämpfung von Infektionen ist ein kritischer Aspekt der Dekubitusbehandlung. Infektionen können die Heilung verzögern und den Zustand des Patienten verschlechtern.
Stadiengerechte Wundversorgung
Die Behandlung erfolgt stadienabhängig, wobei spezielle Verbandmaterialien verwendet werden, die das feuchte Wundmilieu unterstützen und so die Heilungschancen verbessern.
Plastische Chirurgie
In schweren Fällen von Dekubitus, insbesondere bei großflächigen Läsionen, kann eine Hauttransplantation notwendig sein, um die betroffene Stelle effektiv zu verschließen und die Heilung zu unterstützen.
Feuchte Wundbehandlung
Die Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus ist von zentraler Bedeutung für die Wundheilung bei Dekubitus. Hydroaktive Wundauflagen, die zur modernen Wundversorgung zählen, spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Die Auswahl der passenden Wundauflage erfolgt individuell und sollte von Wundversorgungsexperten vorgenommen werden.
Schmerzmanagement
Ein Dekubitus kann extrem schmerzhaft sein. Effektives Schmerzmanagement ist daher ein integraler Bestandteil der Behandlung. Es ist besonders wichtig, auf Schmerzsignale zu achten, auch wenn der Patient möglicherweise nicht in der Lage ist, diese zu kommunizieren, wie z.B. bei fortgeschrittener Demenz.
Heilungsphasen eines Dekubitus
Der Heilprozess eines Druckgeschwürs wird durch verschiedene Aspekte beeinflusst. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist das Stadium, in dem sich der Dekubitus befindet.
In den Anfangsstadien lässt sich ein Dekubitus oft effektiv mit Maßnahmen wie gezielter Druckentlastung und -verteilung behandeln. Sobald jedoch eine Wunde offen ist, kann der Heilungsprozess erheblich verlängert werden und unter Umständen Monate in Anspruch nehmen.
Die Wundheilung bei einem Druckgeschwür untergliedert sich in drei essenzielle Phasen:
1. Reinigungsphase (Exsudationsphase):
In dieser Anfangsphase der Wundheilung erfolgt eine natürliche Reinigung der Wunde. Die Blutgefäße erweitern sich, was zu einer verstärkten Durchblutung führt. Entzündungszellen werden aktiviert, um Keime abzuwehren und abgestorbenes Gewebe zu entfernen. Während dieser Zeit bildet die Wunde ein Exsudat, das hilft, die Wunde sauber zu halten und eine optimale Heilungsumgebung zu schaffen.
2. Gewebsbildungsphase (Granulationsphase):
Nach der Reinigung beginnt die Wunde, sich mit neuem Gewebe zu füllen. Dieses neu gebildete Gewebe, bekannt als Granulationsgewebe, ist reich an Blutgefäßen und essentiell für den Heilungsprozess. In dieser Phase ziehen sich auch die Wundränder zusammen, was zur Verkleinerung der Wundfläche beiträgt.
3. Regenerationsphase (Epithelisierungsphase):
Die letzte Phase der Wundheilung zielt darauf ab, die Wunde vollständig zu verschließen. In diesem Stadium regeneriert sich die Haut über der Wunde, was zu einer Narbenbildung oder zur Wiederherstellung einer intakten Haut führt.
Behandlung und Management
Bei einem Dekubitus im frühen Stadium ist eine gezielte Druckentlastung und -verteilung oft ausreichend, um eine Heilung zu fördern. Hierbei können spezielle Auflagen und Matratzen sowie regelmäßige Umlagerungen des Patienten entscheidend sein.
Bei fortgeschrittenen Stadien, insbesondere wenn eine offene Wunde vorliegt, wird der Heilungsprozess komplexer und kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. In diesen Fällen sind zusätzliche medizinische Interventionen und möglicherweise auch chirurgische Eingriffe erforderlich.
Zehn Tipps für die effektive Pflegeplanung bei Dekubitus
Für eine erfolgreiche Heilung von Dekubitus ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegefachkräften und Wundexperten erforderlich. Auch Sie als pflegende Angehörige sind dabei von großer Bedeutung. Sie können nicht nur aktiv zur Heilung beitragen, sondern auch vorbeugende Maßnahmen ergreifen.
Cura Optima bietet Ihnen hier zehn wichtige Tipps zur Gestaltung der Pflege bei Dekubitus.
Frühzeitige Organisation der Pflege
Beginnen Sie umgehend mit der Organisation der benötigten Pflege. Dies kann den Antrag auf einen Pflegegrad oder eine Höherstufung bei der Pflegekasse umfassen, wodurch Sie Zugang zu diversen Unterstützungsleistungen erhalten.
Informations-beschaffung
Erweitern Sie Ihr Wissen über Dekubitus durch Teilnahme an speziellen Pflegekursen für Angehörige, um besser auf die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen eingehen zu können.
Anpassung des Wohnraums
Passen Sie den Wohnraum an die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen an, zum Beispiel durch einen barrierefreien Badumbau oder die Installation eines Treppenliftsystems.
Notfallvorsorge
Richten Sie ein Hausnotrufsystem ein, um im Notfall schnelle Hilfe gewährleisten zu können.
Beantragung von Hilfsmitteln
Beantragen Sie erforderliche Hilfsmittel, wie Hebehilfen oder spezielle Antidekubitusmatratzen, die den Pflegealltag erleichtern.
Infektionsschutz
Schützen Sie sich und den Patienten vor Infektionen durch die Verwendung von Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Schutzschürzen.
Regelmäßige Mobilisierung
Stellen Sie sicher, dass der Patient regelmäßig bewegt wird, um die Mobilität zu fördern und Druckstellen zu vermeiden.
Sachgemäße Körperpflege
Vermeiden Sie die Nutzung von alkalischen Seifen und führen Sie behutsame Ganzkörperwäschen durch, um die empfindliche Haut des Patienten zu schonen.
Ausgewogene Ernährung
Achten Sie auf eine nährstoffreiche Ernährung, insbesondere wenn Untergewicht vorliegt, und reichern Sie gegebenenfalls das Lieblingsessen des Patienten mit zusätzlichen Kalorien und Nährstoffen an.
Übersicht über Medikamente
Erstellen Sie einen detaillierten Medikamentenplan, um die Medikamenteneinnahme übersichtlich zu gestalten und sicherzustellen.
Emotionale Unterstützung
Erkennen Sie die Bedürfnisse und das emotionale Wohlbefinden des Pflegebedürftigen. Seien Sie aufmerksam gegenüber Anzeichen von Unbehagen oder Schmerz, besonders wenn der Betroffene nicht in der Lage ist, sich verbal auszudrücken.
Wichtige Hilfsmittel zur Dekubitusprävention und -behandlung
Manchmal kann das einfache Falten der Bettdecke und der Einsatz von Kissen als Unterstützung ausreichen, um eine schonende und schmerzarme Positionierung des Patienten zu gewährleisten. Neben diesen einfachen Methoden gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die durch die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung (nach SGB V und SGB XI) gefördert oder geliehen werden können. Für die Anforderung solcher Hilfsmittel, wie spezielle (Sitz-)Kissen oder Pflegematratzen, ist jedoch eine ärztliche Verordnung notwendig.
Erfahrene Pflegekräfte leben nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ bei der Verwendung von Hilfsmitteln, da jedes Hilfsmittel ausreichend Platz im Bett benötigt. Dies ist besonders wichtig, wenn der Patient auch Drainagen, Verbände, Schienen oder Prothesen benötigt, da der verfügbare Platz im Pflege- oder Krankenbett schnell begrenzt sein kann.
Der primäre Zweck jedes Dekubitus-Hilfsmittels ist die Druckentlastung oder -umverteilung vom Körper oder einer bestimmten Körperstelle, um die Bildung von Druckgeschwüren zu vermeiden oder zu minimieren.
Antidekubitusmatratzen
Diese Matratzen sind speziell dafür konzipiert, den Druck zu verteilen und so die Belastung auf bestimmte Körperstellen zu reduzieren. Es gibt zwei Haupttypen:
Weichlagerungssysteme, die den Druck auf eine größere Fläche verteilen.
Wechseldrucksysteme, die den Druck periodisch verlagern, um dauerhafte Druckstellen zu vermeiden.
Ein ärztliches Rezept ist erforderlich, um eine solche Matratze von der Kranken- oder Pflegekasse erstattet zu bekommen. Die Auswahl der passenden Matratze sollte sorgfältig erfolgen, um sicherzustellen, dass sie schnell nach Diagnose eines Dekubitus zum Einsatz kommt.
Antidekubituskissen
Nicht nur bettlägerige Personen benötigen Schutz vor Dekubitus, auch diejenigen, die viel Zeit sitzend verbringen, wie z.B. in einem Rollstuhl oder Lieblingssessel. Antidekubituskissen helfen, den Druck auf das Gesäß und die Oberschenkel zu minimieren und sind eine wichtige prophylaktische Maßnahme.
Diese Kissen sind ebenfalls auf Rezept erhältlich und sollten nach individuellem Bedarf ausgewählt werden.
Ungeeignete Hilfsmittel bei Dekubitus
Einige traditionell verwendete Hilfsmittel sind nicht mehr empfehlenswert, da sie den notwendigen Schutz nicht bieten oder sogar kontraproduktiv sein können. Dazu zählen:
- Felle
- Wasserkissen
- Watteverbände
- Gummi-Ringe oder Lochkissen
Dekubitusprophylaxe: Fünf wesentliche Maßnahmen
- Verständnis und Vermeidung von Risikofaktoren:
Wissen über Risikofaktoren ist entscheidend, um vorbeugende Maßnahmen ergreifen zu können. - Tägliche Hautbeobachtung:
Die regelmäßige Überprüfung der Haut auf Anzeichen von Druckstellen oder Veränderungen ist essentiell.
- Druckentlastende Positionierung:
Eine korrekte Lagerung des Patienten kann helfen, Druckstellen zu vermeiden.
- Regelmäßige Mobilisation:
Die Förderung der Beweglichkeit des Patienten trägt dazu bei, Druckstellen zu verhindern.
- Individuell abgestimmte Hautpflege:
Eine auf den Patienten zugeschnittene Hautpflege unterstützt die Integrität der Haut und hilft, Dekubitus vorzubeugen.
Häufig gestellte Fragen
Ein Dekubitus ist eine Druckstelle auf der Haut, die durch anhaltenden Druck verursacht wird und zu schwerwiegenden Hautschäden führen kann, einschließlich offener Wunden. Diese Druckstellen entstehen besonders häufig an Körperstellen, an denen Knochenvorsprünge direkt unter der Haut liegen und wenig bis gar kein Fett- oder Muskelgewebe für Schutz sorgt.
Der medizinische Fachbegriff für das Phänomen des Wundliegens ist „Dekubitalulcus“, häufig verkürzt zu „Dekubitus“.
Ein Druckgeschwür beschreibt eine Hautschädigung, die durch andauernden Druck an einer Körperstelle entsteht. Medizinisch wird diese Schädigung als Dekubitus bezeichnet.
Ein Dekubitus wird in der professionellen Pflege oft nicht eindeutig identifiziert und kann mit der Inkontinenz-assoziierten Dermatitis (IAD) verwechselt werden. Beide Zustände präsentieren sich mit sichtbaren Hautveränderungen. Schmerzen oder auffällige Hautveränderungen an bestimmten Körperstellen sollten daher frühzeitig medizinisch untersucht werden, um eine korrekte Diagnose und Behandlung sicherzustellen.
Ein Dekubitus entsteht durch anhaltende Druckeinwirkung auf bestimmte Körperstellen, was das darunterliegende Gewebe schädigt, hauptsächlich durch eine Unterbrechung der Blutzirkulation. Drei Hauptfaktoren sind entscheidend: der Druck selbst, die Dauer und Intensität des Drucks, und die individuellen Risikofaktoren des Patienten, wie seine Gesundheitsdisposition.
Besonders anfällig für Dekubitus sind Körperstellen, die beim Liegen oder Sitzen unter Druck stehen. Dazu zählen unter anderem Ohren, Hinterkopf, Schultern, Ellenbogen, Wirbelsäule, Becken, Kniegelenke, Fersen und Fußknöchel.
Prädilektionsstellen sind jene Körperteile, an denen bestimmte Krankheiten bevorzugt auftreten. Bei Dekubitus sind dies vor allem das Gesäß und die Fersen, da diese Bereiche häufig unter starkem Druck stehen.
Ein fortschreitender Dekubitus schädigt mehrere Hautschichten. Zuerst wird die Epidermis (Oberhaut) betroffen, gefolgt von der Dermis (Lederhaut) und der Subcutis (Unterhaut). Bei schweren Fällen kann der Schaden bis zu den Sehnen, Muskeln und sogar den Knochen reichen.
Personen, die überwiegend liegen oder sitzen, haben ein erhöhtes Risiko für Dekubitus. Dazu gehören bettlägerige Erwachsene, Personen im Rollstuhl, sehr junge oder sehr alte Menschen und Personen mit starkem Über- oder Untergewicht.
Bei Anzeichen eines Dekubitus sollte umgehend ein Hausarzt oder Dermatologe kontaktiert werden, um eine fachgerechte Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.
Die Behandlung eines Dekubitus erfordert vor allem die sofortige Entlastung des Drucks auf die betroffenen Stellen. Regelmäßiges Umlagern, der Einsatz von druckmindernden Hilfsmitteln und die Förderung der Mobilität sind zentral. Bei fortgeschrittenen Fällen kann auch eine spezialisierte Wundversorgung oder chirurgische Intervention erforderlich sein.
Semja Denise M’Barek ist examinierte Pflegefachkraft mit über 15 Jahren Berufserfahrung in der stationären und ambulanten Pflege, davon viele Jahre bei der Caritas. Als Gründerin und Geschäftsführerin der Cura Optima GmbH verbindet sie fachliches Know-how mit tiefem Einfühlungsvermögen – und steht damit für eine neue Generation der Pflegevermittlung: menschlich, professionell und lösungsorientiert.






